VFR-Routen wirksam absichern: Kriterien zum Schutz der Allgemeinen Luftfahrt vor Hindernissen
Die zunehmende urbane Entwicklung sowie der Ausbau erneuerbarer Energien führen zu einer steigenden Anzahl geplanter Bauwerke in der Umgebung von Flugplätzen – darunter Hochhäuser, Masten und Windenergieanlagen. Solche Strukturen können die Sicherheit und Regelmäßigkeit des Flugbetriebs beeinträchtigen, insbesondere im Sichtflugverkehr, z. B. in Platzrunden und entlang von VFR-Routen.
Obwohl Pilotinnen und Piloten bei VFR-Flügen letztlich selbst für das Ausweichen von Hindernissen verantwortlich sind, kann die zunehmende Komplexität des Luftraums sowie die gleichzeitige Notwendigkeit zu fliegen, zu navigieren und zu kommunizieren zu einer kognitiven Überlastung führen. Daher sollten VFR-Routen – analog zu IFR-Strecken (Instrument Flight Rules) – sowohl lateral als auch vertikal vor Hindernissen geschützt werden.
Die grundlegenden Mindestanforderungen der Standardised European Rules of the Air (SERA) definieren Hindernisfreihalten wie folgt:
Außer wenn es für Start oder Landung erforderlich ist, darf ein VFR-Flug nicht in einer Höhe durchgeführt werden, die weniger als 150 m (500 ft) über dem höchsten Hindernis innerhalb eines Radius von 150 m (500 ft) um das Luftfahrzeug liegt.
Diese SERA-Mindestanforderungen sind jedoch für den lateralen Schutz von Routen gegenüber hoch aufragenden Bauwerken oftmals nicht ausreichend. Zudem legen weder die International Civil Aviation Organization (ICAO) noch die European Union Aviation Safety Agency (EASA) konkrete Kriterien für den Schutz von VFR-Routen fest. So kann es beispielsweise auf VFR-Routen zu Gegenverkehr kommen oder es müssen bei eingeschränkter Sicht spezielle Wendemanöver durchgeführt werden.
Zur Schließung dieser regulatorischen Lücke führte airsight eine aeronautische Studie durch, um Schutzbereiche für VFR-Routen zu definieren. Ziel war es sicherzustellen, dass zukünftige Bauvorhaben in der Nähe dieser Routen nicht dazu führen, dass sie unsicher oder nicht mehr nutzbar werden.
In diesem Zusammenhang unterstützt airsight seit vielen Jahren Flughäfen und Luftfahrtbehörden bei der Bewertung der Auswirkungen von Hindernissen auf den Flugbetrieb. Dies umfasst sowohl die Analyse neuer als auch bestehender Bauwerke zur Gewährleistung der fortlaufenden Flugsicherheit.
Zur Definition eines geeigneten Schutzbereichs identifizierte airsight zunächst typische Flugmanöver von VFR-Luftfahrzeugen. Für jedes Manöver wurden die erforderlichen Abstände und Hindernisschutzbereiche auf Basis relevanter Flughöhen, Fluggeschwindigkeiten und Querneigungswinkel berechnet.
Nach der Festlegung eines theoretischen lateralen Schutzbereichs (Halbbreite) beidseitig der VFR-Routenmittellinie validierte airsight diese Abmessungen anhand historischer Flugspurdaten. Die Analyse umfasste dabei insbesondere:
die Validierung der Fluggeschwindigkeiten unter Berücksichtigung der auf VFR-Routen operierenden Luftfahrzeugkategorien,
die Bewertung der Genauigkeit, mit der Pilotinnen und Piloten der Routenmittellinie folgten – sowohl in geraden als auch in gekrümmten Streckenabschnitten sowie in Bereichen mit starken oder schwachen visuellen Referenzen,
die Analyse der verwendeten Querneigungswinkel bei 180°-Kurven oder Orbit-Manövern (360°-Kurven).
Die Auswertung zeigte, dass größere Abweichungen insbesondere auf Routen mit eingeschränkten visuellen Referenzen sowie in komplexen Streckenabschnitten mit engen Kurven auftreten. Pilotinnen und Piloten neigten dazu, geradlinigere Flugwege zu bevorzugen und dabei bewusst von der idealen Mittellinie abzuweichen. Dies weist darauf hin, dass VFR-Routen möglichst entlang markanter visueller Orientierungspunkte (z. B. Autobahnen, Eisenbahnlinien oder Flüsse) geführt werden sollten, um eine konsistentere Navigation zu unterstützen.
Unabhängig davon ist davon auszugehen, dass Pilotinnen und Piloten VFR-Routen – insbesondere in hindernisreichen Umgebungen – mit höherer Genauigkeit einhalten, sofern eine ausreichende Situationswahrnehmung gegeben ist. Diese kann durch die formale Dokumentation der Schutzbereiche in der Aeronautical Information Publication (AIP) zusätzlich unterstützt werden.
Insgesamt bestätigte die Analyse, dass die theoretisch definierten Schutzbereiche auf Basis realer Flugspurdaten angemessen und ausreichend dimensioniert sind.
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Ob VFR-Routen, Platzrunden oder komplexe Hindernissituationen im Umfeld von Flugplätzen – airsight verfügt über langjährige Erfahrung in der Bewertung und Sicherung von Luftfahrthindernissen sowie in der Durchführung aeronautischer Studien wie dieser. Unser spezialisiertes Team aus Safeguarding- und Obstacle-Experten unterstützt Flughäfen, Behörden und Betreiber weltweit bei der Entwicklung sicherer und praxisnaher Lösungen. Kontaktieren Sie uns gern per Mail oder erfahren Sie mehr über unser Leistungsportfolio im Bereich Aerodrome Safeguarding & Obstacle Assessment.
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